Dumme Knipse – und der Takt des Gärtnerns
Bernd Franzen am 27. August 2009
Heute ist hier möglicherweise einer der letzten echten Sommertage. Vor allem die Hibiscus, allen voran ein wunderschöner weißer Hibiscus moscheutos (Sumpfeibisch) mit der ersten Blüte bei mir überhaupt, zeigen sich heute vielleicht das letzte Mal im Jahr in absoluter Hochform. Da die Hibiskusblüten schon im Laufe des Tages ihre absolute Frische verlieren, habe ich heute morgen schon früh fotografiert. Und weil es so schön war auch noch eine Reihe von hellen Fuchsien, deren Blüten ebenfalls morgens am schönsten anzusehen sind.
Eben in der Mittagspause wollte ich dann die Bilder auf den Rechner spielen. Keine Speicherkarte in der Kamera! Warum warnt mich die Knipse eigentlich nicht?
Auch wenn ich jetzt keine herzeigbaren Fotos von heute habe (die gezeigten Bilder sind aus dem “Archiv”). Mir hat das morgendliche Fotografieren großen Spass gemacht und die Freude beim Ansehen der Blüten und Pflanzen kann mir auch keiner nehmen.
Die Zeit, die ich heute mittag mit dem Sortieren und Sichten der Bilder verbracht hätte, habe ich genutzt mal bei alten Blogbekanntschaften vorbei zu sehen. Und wie es der Zufall(?) so will hat Claudia Klinger heute in einem Beitrag (Zwischen Echtzeit-Web und Altweibersommer) darauf hingewiesen was Garten in einer Lebenswirklichkeit vollgestopft mit Ablenkungen nicht nur in den virtuellen Welten bedeuten kann. Erdung, Zeit zu verarbeiten und das alles ohne ständig Neues zu tun.
Der Garten hat etwas beruhigendes. Bei allem Formen, Jäten, Gestalten und Beeinflussen was man im Garten zwangsläufig macht, so bleibt er immer auch unbeeinflussbar. Der Garten gibt die Möglichkeiten vor und auch den Takt. Eine Pflanze blüht, wenn sie reif dafür ist, nicht früher. Mit Dünger und vielerlei Tricks kann man versuchen den Takt zu verändern, aber trotzdem bleibt der Takt. Wenn man gärtnert bekommt man ein Gefühl dafür, was “richtig” ist. Die Jahreszeit ist an den Pflanzen erkennbar, die wachsen und blühen. So wie die Tage die Herbstzeitlose das Ende des Sommers eingeläutet hat.
Da, wo Claudia ihre Zeit findet die Informationsflut und die Eindrücke zu verarbeiten, finde ich im Garten einen unbestechlichen Taktgeber, der mir immer wieder zeigen will, was der richtige Takt ist. Und noch mehr. Der Garten ist mir ein Ort, der mir immer wieder kleine und auch große Glücksmomente vermittelt. Hier fällt die Verbissenheit mit der ich gelegentlich dazu neige, die Dinge in die Hand zu nehmen ab. Der Garten belohnt mit Glück und leitet gleichzeitig dazu an zurück zu treten um die Dinge zu betrachten oder ganz im Gegenteil dazu heranzutreten und die Dinge von nahe zu betrachten. Ganz wie es die Situation erfordert. Es gibt hier nie nur einen Punkt von dem man die Dinge betrachten muss.
Machen lassen! Der Garten kennt den Takt und an mir liegt es, ihn aufzunehmen.
Was bedeuten da schon Bilder die nicht gemacht wurden? Irgendwann kommt schon eine Gelegenheit auch die Hibiskus bei ihrem Blütenhöhepunkt zu fotografieren. Dann, wenn die Zeit wieder dafür richtig ist.
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