Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /homepages/26/d18378530/htdocs/fuchsia-home/wp-content/plugins/wordpress-ping-optimizer/cbnet-ping-optimizer.php on line 533

Im Frühjahr – da waren die Fuchsien noch im Tiefschlaf – waren es ganz spezielle Pflanzen, die meine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. Es waren die Primeln. Und hier fielen besonders die alten Gesäumten Primeln auf. Obwohl – Gesäumte Primeln will mir nicht so richtig über die Zunge und Tastatur. Im Englischen sind es die Gold Laced Primulas. Und bei Gold Laced will ich es belassen.

Und da sie auf einem Stängel eine kleine Dolde von Blüten ausbilden, nennt man sie Polyanthus. Im Gegensatz zu den Vulgaris- oder Acaulis-Tpyen, wo jede Blüten ihren eigenen Stängel von Grund der Pflanze besitzt. (Das wird sicher noch mal genaueres Thema hier werden.)

Gold Laced

Gold Laced

Spätestens im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten schon die englischen ‚Floristen‘ – so nannten sich die Blumenenthusiasten der Zeit, die sich an Aurikeln, eben unsere Gold Laced Polyanthus und anderen Pflanzen erfreuten – mit der Zucht dieser Schönheiten beschäftigt und ihr gärtnerisches Können in show benches, also Ausstellungen auf Tischen, unter Beweis gestellt. Es müssen sehr wundersame Veranstaltungen gewesen sein, bei denen sich gestandene Herren über die kleinen Aurikeln und Gold Laced gebeugt haben und fachsimpelten, was das Zeug hielt.

Im 19. Jahrhundert hielt der Boom an und im 20. Jahrhundert verebbte er. Fast wären die Gold Laced Polyanthus verschwunden, sie wurden altmodisch. Regelrechte Legenden ranken sich um den Fakt, wie Samen einiger „letzter“ Pflanzen aus einer zerbombten englischen Gärtnerei nach dem 2. Weltkrieg in die Hände von Florence Bellis gelangten. Einer Amerikanerin, die in dieser Zeit in Oregon eine Primelgärtnerei unter dem Namen Barnhaven betrieb und selbst zur Legende unter den Primelliebhabern geworden ist. Barnhaven gibt es noch immer und ist mittlerweile in Frankreich verortet. Gold Laced Polyanthus bekommt man dort ebenfalls immer noch. Und ohne die Arbeit von Florence Bellis in Barnhaven ist es nicht völlig unwahrscheinlich, dass die Gold Laced Polyanthus tatsächlich verloren wären.

Gold Laced 'Elizabeth Killelay'

Gold Laced ‚Elizabeth Killelay‘

Wenn man sich die Blüten der Gold Laced genauer ansieht, dann wird jedes der Blütenblätter durch den hellen (goldgeben oder „silberfarbenen“ Saum) noch einmal getrennt. Dabei ist die Grundfarbe des Blütenblattes dunkel; von einem tiefen Mahagoni bis Rot reicht dabei die Palette. Durch die farbliche Trennung wirkt es so, als hätten die Gold Laced nicht die primelüblchen fünf, sondern zehn Blütenblätter.

Mittlerweile gibt es auch gefüllte Gold Laced, eine davon ist zur Zeit als Namenssorte auch in Deutschland erhältlich: ‚Elizabeth Kellelay‘. Meine habe ich in diesem Frühjahr nicht wirklich zur vollen Schönheit kultivieren können. Aber ich konnte sie nach der Blüte teilen und hoffe sie gut über den Winter zu bekommen um sie im kommenden Frühahr besser aussehen zu lassen.

Silver Laced

‚Silver Laced‘

Es ist übrigens diese Pflanze, die an meiner den Gold Laced zugewandten Aufmerksamkeit schuld ist. Eine Fehllieferung, denn eigentlich wollte ich eine schlichte ‚Wanda‘ haben. Also eine Kissenprimel mit der ich eine kleine Schattenecke aufhübschen wollte. Mit dem hellen Saum eher eine Silver Laced denn eine klassische Gold Laced. Aber dieser Anblick war für mich neu und faszinierend.

Nach dem meine Aufmerksamkeit geweckt war, habe ich im Frühjart immer wieder einmal Pflanzen in den Gartenmärkten gesehen. Es sind nicht die ganz großen kommerziellen Renner und Pflanzen mit großer Fernwirkung, aber scheinbar gibt es doch genügend Menschen die die eher zurückhaltende Schönheit dieser Primeln zu würden wissen. Sie muten ein wenig altmodisch, „viktorianisch“, aus der Zeit gefallen, an. Und einmal infiziert begann meine Suche nach Pflanzen und Infomationen.

Gelernt habe ich bisher, dass die Pflanzen, die man hier gemeinhin bekommen kann, nicht an die herankommen, die es früher einmal gegeben hat. Die grundsätzliche Form ist noch da, aber es fehlt die Klasse. Es mag sein, dass in England noch wirklich ausstellungsreife Strains existieren. Show benches gibt es nach wie vor und die Gold Laced werden immer noch ausgestellt. Also gehe ich davon aus, dass hier noch sehr exquisite Pflanzen existieren. Aber hier in Deutschland kommen solche Pflanzen nicht an? Jedenfalls habe ich noch keine Quellen auftun können. Also gibt es nur eines: Samen besorgen und selber welche ziehen.

Aussaat von Gold Laced Reds

Aussaat von Gold Laced ‚Reds‘

Auch beim Samen gibt es nicht rasend viele Quellen, aber immerhin findet man welchen. Fündig wurde ich in England und auch bei Barnhaven. Gestartet bin ich mit vier Samentütchen. Leider habe ich erst sehr spät im Jahr begonnen. Die Saaten stammen vom 11.05.15, Pikiert wurde am 7.7.Der Keimerfolg war trotzdem relativ gut, wenn man bedenkt, dass Primeln eher Kaltkeimer sind. Temperaturen jenseits der 20°C sind jedenfalls nicht keimförderlich. Temperaturen um 15 °C konnte ich im wamen Frühjahr nur bedingt liefern. So hatte ich etwas 50% Keimquote.

Schon jetzt zeigt sich, dass die Gold Laced Polyanthus nicht ganz so robust sind wie die modernen „Garten Polyanthus“. Bei einigen Aussaaten gab es im Sommer nochmals deutliche Verluste. Vielleicht dokumentiere ich die Aufzucht noch mal gesondert. Aber ich denke es werden genug Pflanzen durchkommen um mich dann ab dem kommenden Jahr Handbestäubung und gezielter Kreuzung zu versuchen. Das könnte der Beginn eines eigenen Stamm von diesen Pflanzen werden.

Jedenfalls bin ich jetzt stolzes Mitglied der American Primerose Society und nach einigen Jahren Pause auch wieder der Gesellschaft der Staudenfreunde (es war ohnehin ein Fehler dort ausgetreten zu sein … aber manchmal muss man sich eine Zeit „verschlanken“). Dort findet man im Samentausch auch Primelschätze – und nicht nur Gold Laced Polyanthus.